Medikamente im Sport

Gegen Doping

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Ap
Doping im Radsport: Tramadol für viele Stürze verantwortlich
23.04.2014 16:37

Es ist unumstritten, dass im Radsport gedopt wird. In welchem Ausmaß, das lässt sich nur vermuten. Dass die bekannt gewordenen Fälle nur die Spitze des Eisbergs sind, bezweifelt kaum jemand. Bisher standen Dopingmittel wie Erythropoetin (Epo), mit dem Sportler ihre Audauerleistung steigern können, im Mittelpunkt – nicht zuletzt wegen zahlreicher Skandale rund um die Königsdisziplin des Radsports, der Tour de France. Da die Liste der verbotenen Substanzen immer länger und die Kontrollen immer strengerer werden, suchen Sportler und ihre Ärzte nach neuen Mitteln, die nicht auf der Schwarzen Liste stehen. Eines davon ist das rezeptpflichtige Schmerzmittel Tramadol. 

 

Aus Angst vor dem Versagen greifen mittlerweile viele Radprofis zu Schmerzmedikamenten, die noch nicht auf der Dopingliste stehen. Taylor Phinney, vom US-amerikanischen BMC-Team, beklagte in einem Interview im Rahmen der Flandern-Rundfahrt vor zwei Wochen, dass viele Fahrer in ihren Trinkflaschen Schmerzmittel wie Tramadol mit sich führen. Nicht umsonst unterliegt Tramadol der Verschreibungspflicht. Es gehört zur Gruppe der Opioide, seine Wirkung ähnelt der von Morphium. Aufgrund seiner besonderen Wirkmechanismen ist Tramadol in moderaten Dosierungen eher stimulierend und euphorisierend. Von manchen Konsumenten wird dem Tramadol sogar eine leichte amphetamin- bzw. MDMA-ähnliche Wirkung zugeschrieben. Auf der anderen Seite stehen die Nebenwirkungen, die bei Tramadol so gut wie immer auftreten: Übelkeit, Schwindelgefühl, Benommenheit und Kopfschmerzen. Dadurch wird die Konzentration der Fahrer geschwächt und es kommt vor allem gegen Ende der Rennen zu auffällig vielen unbegreiflichen Stürzen.

 

Tramadol lässt die Athleten für kurze Zeit die körperlichen Strapazen eines langen Rennens vergessen, macht sie euphorisch und steigert die gefühlte Leistungsfähigkeit. Viele bezahlen dafür einen hohen Preis: Auf dem Beipackzettel wird ausdrücklich davor gewarnt, am Straßenverkehr teilzunehmen. Radfahrer, die es trotzdem tun, müssen mit schweren Stürzen rechnen und gefährden damit nicht nur sich selbst, sondern auch andere.

 

Gravierende Nebenwirkungen wie Magenschmerzen sowie Leber- und Nierenprobleme verdrängen die meisten Radprofis genauso wie den Rat des Herstellers, das Medikament nach spätestens acht Wochen abzusetzen. Dahinter steckt ein beinhartes, systembedingtes Kalkül: Wer im Wettkampf um Punkte und Pokale zu früh auf die Schmerzsignale seines Körpers hört, droht schnell im Mittelfeld zu landen oder gilt als zu verweichlicht für den Profisport – eine Blöße, die sich niemand geben möchte. So lassen sie sich Schmerzmittel von ihrem Sportarzt verschreiben oder holen sich - vor allem im Amateursport - ihr Tramadol rezeptfrei aus Online-Shops oder anderen dubiosen Quellen.

 

Der Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI, Brian Cookson, kündigte bereits im Vorjahr im Zusammenhang mit dem geforderten „Neuanfang“ im Radsport eine intensive Zusammenarbeit mit der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA an. Der WADA liegen Berichte über Tramadol-Missbrauch auch aus anderen Sportarten vor, nicht zuletzt aus dem Profifußball. Allerdings hat ein Verbot von Tramadol und anderen Opioiden einen entscheidenden Haken: Im Sport zählen sie genauso wie in der Allgemeinmedizin zu den unverzichtbaren Arzneien bei der Behandlung von Sportverletzungen. Unter einem Verbot hätten auch diejenigen Sportler zu leiden, die diese Mittel bestimmungsgemäß verwenden. Die Frage, ob Tramadol in absehbarer Zeit auf der Liste der verbotenen Substanzen landet, bleibt vorerst offen.

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